Dream Syndicate - Sympathischer Wasserfall„Ja, stimmt, wir mußten dummerweise immer wieder von vorne anfangen“, sagt Steve Wynn von Dream Syndicate. Sympathischer Mann, redet wie ein Wasserfall. Jede unserer Platten ist deshalb ein Debüt. Nicht im musikalischen Sinne natürlich, sondern in etwa wie Hallo-wir-sind-auch-noch-da! Okay, war uns klar daß Slash zu Zeiten von 'Days Of Wine & Roses' nicht gerade unsere musikalische Heimat war. Aber mit Big Time z. B. waren wir 1986 recht zufrieden, hätten nach 'Out Of The Grey' auch gerne noch weitere Alben gemacht - und dann stellen die ganz plötzlich den Betrieb ein.
Das neue Album, das Enigma herausgebracht hat, war deshalb prinzipiell auch schon vor einem Jahr fertig, hätte damals bereits erscheinen können.“ Wynn, zuversichtlich, was den langen Atem seines neuen Labels betrifft, will 1989 dann gleich zwei Alben auf einen Schlag veröffentlichen: Die neue fünfte Studioplatte sowie eine Live- u.U.-DoLP, „um den Fans einen Überblick zu geben, was wir in mittlerweile 7 Jahren alles gemacht haben. Denn durch den ständigen Labelwechsel findet man sehr oft kaum noch alle inzwischen vier LP's in den Läden.“ Härte sei schon gefragt, möchte man in den Staaten als gestandene Rockband ganz nach oben kommen. Aber schlimmer noch sei es, wegen diverser Widrigkeiten, herumsitzen zu müssen, zur Untätigkeit verdammt zu werden. Man zittert eben so voran. Muß angenehm sein, das Gefühl, jetzt mal wieder das Werk der Band wachsen zu sehen. Erst eine Platte, dann zwei, dann drei, dann vier... Wynns Augen leuchten.
„Ja, ich liebe das. Und mit 45 blickst du zurück und kannst in aller Ruhe sagen: Oh - die Platte war toll, die da ging so, die andere war auch ganz gut, diese wiederum richtig schlecht, und die da ist mein ganz persönlicher Favorit. Ich möchte noch viele Platten machen. Wie die Beatles oder Dylan, die in manchen Jahren ja gleich drei hervorragende LP's veröffentlichten, da waren dann z.T noch Doppelalben dabei...“
Wynn hält noch Kontakt zu jenen Allerersten, die zu Beginn der 80er abseits von HC mit Dream Syndicate verstärkt zu Gitarren griffen wie Green On Red, legt dabei
jedoch penibel Wert auf Unterschiedlichkeiten („Wir klingen ziemlich anders als R.E.M. Wir sind eine harte Rockband, haben keine Angst vor unseren weirden, trashigen Seiten.“), hat zusammen mit seinem Gitarristen Paul Cutler 1985 den großartigen Naked Prey (Tucson) auf die Beine geholfen, steckt recht häufig mit den inzwischen ebenfalls in L. A. beheimateten Giant Sand zusammen, deren letzte beiden Platten "Ballad..." und "Storm..." (Wynn erzählt daneben jetzt bereits Wunderdinge von der kommenden, vierten G. Sand) ihn auf Tournee treu von Nacht zu Nacht begleiten.
„Hör' ich oft und gern nach unseren Gigs. Ich höre überhaupt viel Musik...“ Nächstes Jahr (?) hoffentlich mal mehr (!!) von Dream Syndicate, die in München incl. "Cinnamon Girl" (Neil Young) ein, jawohl, fantastisches Mitternachtskonzert abrissen. Die ihren Young und v. a. Fogherty schon gelesen hatten, als andere noch... nichts gegen... stellt euch Dream Syndicate einfach als Newcomer vor (weil laufbahnmäßig zu jung und frisch, um sich mit einer Vorreiter-/Altväterrolle zufriedenzugeben), hört sie z. B. wie Dinosaur jr. - liegt durchaus mit im Bereich des Möglichen. Nur Mut.
Die neue Platte nennt sich übrigens "Ghost Stories".
Andreas Bach in SPEX 11-88
|